E 1.9
Generativität II: Der Mensch als Zeitenschöpfer
Schöpfer der Zeit

Der Mensch ist kein autonomes Wesen, er ist ein Glied in der jahrtausendelangen Kette der Generationen. Das Gedächtnis des Menschen ist nicht in erster Linie dazu da, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Vielmehr dient es dazu, dass die Vergangenheit in jedem Erinnern zur jetzigen Wirklichkeit wird.
Visionen in die Zukunft haben nicht nur den Sinn, die Entwicklung vorauszuplanen, sondern bedeuten, dass Zukunft jetzt schon aktuelle Wirklichkeit ist. Diese Erkenntnis ermöglichst es uns Menschen in der heutigen Gegenwart sowohl die Vergangenheit wie auch die Zukunft neu zu erschaffen.
Ein nächster Aspekt ist sehr paradox und hoch wirksam. Im generativen Verständnis ist es nicht wahr, dass ich bin. Wahr ist, dass ich erst existiere, wenn ich für meinen Enkel arbeite. Dieser generative Ansatz ist tief in der Vorstellung vom handelnden Menschen verankert, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist. Wer ein grosses Werk schafft, wird durch dieses Werk als grosser Mensch angeschaut. Weil das Werk den Menschen überdauert, lebt der Mensch auch nach dem Tode weiter (siehe z. B. Giaccometti und andere Künstler).
Die heutige Zivilisation ist nichts ohne das Weiterbestehen der früheren Erfindungen, auf denen Neues aufgebaut werden kann. Wie wir nach dem Tode weiterleben, hängt generativ gesprochen davon ab, wie wir über uns selbst hinauswachsen können. Dazu lernen Sie einige grossen Perspektiven kennen, die das Verhältnis zu unserer Zukunft über das Leben hinaus gestalten können.