W 7.2.2
Positive Zumutung durch Flow-Unterstellungen

Wer nicht an sich selbst glaubt, braucht Unterstützung, die er sich nicht selbst geben kann. Wem die gegebene Situation zu komplex oder zu hart scheint, der wagt oft nicht, sich damit zu konfrontieren. Wer Widerstand leistet, hat immer einen guten Grund in seiner Biographie, um sich zu verweigern. Diesen herauszufinden ist der eine Weg. Motivation zu betreiben ein anderer. Den Mut zu wecken, sich trotzdem zu engagieren, ist eine dritte, sehr erfolgreiche Variante. Mut bekommen wir, wenn wir genügend Selbstverständlichkeit und Energie besitzen, trotz allem, was dagegen spricht, das Wagnis auf uns zu nehmen. Nun sind wir Menschen ja deswegen Menschen, weil wir eine besondere Bindung zur Grossartigkeit haben, und diese elementare Verbundenheit können wir “anzapfen”.

Wenn der Betroffene sieht, was an grossen und starken Elementen in ihm selbst steckt und dies vom Gegenüber plausibel und authentisch präsentiert bekommt, dann ereignet sich positive Unterstellung. Das heisst, das Gegenüber mutet dem Zögernden oder Distanzierten mehr zu, als dieser sich traut. Positive Unterstellung ist keine Sache von billiger Motivation “Das kannst du schon” oder “Du wirst siegen!”, sondern lässt das Verborgene zum Vorschein kommen. Das folgt dem inneren Sinn des Worts “muten”. Die Kunst der Mutung besteht daran, mit einer Wünschelrute oder einem anderen Instrument nach Wasser oder Erzadern zu suchen. Muten heisst, aktiv entdecken, was verborgen ist, und drauf wartet, ans Licht befördert zu werden. Positiv zumuten heisst, das Verborgene dem Gegenüber so plausibel zu machen, dass Lust und Engagement erwachen. Werkzeuge dazu sind Worte, Themen, Gesten und Aktivierung der tiefen Sehnsucht, welche die Grossartigkeit aufzeigen, in welcher der Betroffene je schon steht. Deshalb ist die positive Unterstellung auf Flow-Basis mehr als eine Unterstellung, sie mutet dem Anderen seine Grösse zu. Zumutung nicht in dem Sinne, dass sie mehr fordert als der Betroffene glauben kann, sondern dass der Betroffene dank der zumutenden Intervention die Kraft erfährt, die in ihm steckt und dadurch den Mut erwachen lässt, sich auf den neuen Weg zu machen.