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Trajekt II: Das Trajekt, jenseits von Subjekt und Objekt

Das Subjekt lernt, über sich selbst hinauszuwachsen, indem es sich nicht verrät, sondern mehr das wird, was es eigentlich ist. Das Trajekt bedeutet, dass der Wirkende weder Urheber noch Opfer noch blosser Zeuge ist, sondern ein Katalysator wird, der das, was eigentlich leben will, zum Zuge kommen lässt.
Meister Eckhart spricht von Abgeschiedenheit, die dazu nötig ist. Die buddhistische Tradition spricht von Erleuchtung. Der Asket spricht von Ich-Vernichtung. Die traditionelle Pädagogik sprach von Brechen des Willens. Das Trajekt bedeutet, dass das Subjekt seine Identität so erweitert, dass es, um ein Bild zu gebrauchen, nicht nur Nutzer des Lichts wird, sondern selbst Licht.
Die Instanz, die dabei zum Wirken kommt, ist der Maestro. Damit diese Instanz-des-Eigentlichen-in-uns wirken kann, und wir nicht ein Nebenakteur sind, heisst es, Durchlass zu werden für das Wirken des Maestro. In der Kreativität nennt man dies: sich inspirieren lassen. In der Mystik heisst es, durch die Hingabe des Egos reine Vitalität gewinnen. Medial Begabte sprechen davon, dass sie Sprachrohr von jemand anders werden. In der Kommunikation bedeutet dies, zum Sprachrohr der schlummernden Anliegen werden, die in den Angesprochenen wohnen.